Die neue Dokumentationsserie „Monsters of God“ auf HBO Max zeigt die Schattenseiten des weltweiten Reptilienhandels. Auch der illegale Handel spielt dabei eine Rolle und verursacht großes Tierleid.
Schlangen, Chamäleons oder Schildkröten ...
... werden weltweit gehandelt. Manche Tiere stammen aus Zuchten, andere werden in der Natur gefangen und anschließend legal oder illegal über Grenzen gebracht und verkauft. Auch Deutschland ist Teil dieses Handels. Hierzulande werden mehr als 1.500 verschiedene Reptilienarten gehandelt. Deutschland ist ein bedeutender Absatzmarkt für den weltweiten Handel mit exotischen Wildtieren.
Tiere als Ware
Besonders begehrt sind seltene oder ungewöhnliche Arten. Für den illegalen Handel werden Reptilien teilweise direkt aus ihrem natürlichen Lebensraum gefangen. Danach beginnt für viele Tiere eine lange Reise. Auch auf legalem Weg, zumeist aus Nachzuchten, werden Reptilien gehandelt. Allerdings lässt sich nicht immer zweifelsfrei überprüfen, ob die Tiere tatsächlich aus einer Zucht stammen oder ursprünglich aus der Natur entnommen wurden.
Beim Schmuggel steht nicht unbedingt das Wohlergehen der Tiere im Mittelpunkt. Entscheidend ist oft, möglichst viele Tiere unbemerkt zu transportieren. Sie können in engen Behältern versteckt werden und müssen lange Transporte ohne ausreichend Platz, Wasser oder passende Temperaturen überstehen. Die Tiere erleiden dabei erheblichen Stress und können zudem verletzt oder krank werden bzw. sterben.Auch bei unseren Auswertungen zum illegalen Heimtierhandel tauchen immer wieder Reptilien auf . In den vergangenen Jahren wurden unter anderem Kobras, Pythons, Chamäleons und sogar ein Mississippi Alligator entdeckt.
Illegaler Handel bedroht auch Tiere in der Natur
Der Fang von Wildtieren ist nicht nur für die einzelnen Tiere ein großes Problem. Werden viele Tiere einer Art aus der Natur entnommen, kann das ganze Bestände gefährden. Gerade seltene Arten sind für Händler oft besonders interessant. Je außergewöhnlicher ein Tier ist, desto höher kann sein Wert auf dem illegalen Markt sein. Dadurch kann ausgerechnet die Seltenheit einer Art dazu führen, dass noch mehr Tiere gefangen werden.
Um bedrohte Arten zu schützen, wird der internationale Handel mit vielen Tieren durch das Artenschutzabkommen CITES geregelt. Allerdings werden bei Weitem nicht alle Reptilienarten auch durch das CITES Abkommen erfasst. Zudem findet neben dem legalen Handel auch weiterhin illegaler Handel statt.
Was passiert mit beschlagnahmten Reptilien?
Werden geschmuggelte Tiere entdeckt oder Tiere aus schlechter Haltung beschlagnahmt, müssen sie irgendwo untergebracht und versorgt werden. Das ist bei Reptilien oft nicht einfach. Viele Arten benötigen bestimmte Temperaturen, eine passende Luftfeuchtigkeit, spezielle Beleuchtung oder besonderes Futter. Tierheime und Auffangstationen brauchen deshalb geeignete Räume, Technik und Fachwissen.
Beschlagnahmte Reptilien landen immer wieder in Tierheimen, die ohnehin stark ausgelastet sind und für die die Haltung exotischer Tiere eine besondere Herausforderung darstellt. Spezialisierte Auffangstationen können zwar unterstützen, verfügen jedoch ebenfalls nur über begrenzte Kapazitäten
.Auch in unserer Reptilienstation im Tierschutzzentrum Weidefeld versorgen wir Tiere, die abgegeben oder beschlagnahmt wurden. Das zeigt, dass der illegale Handel nicht mit der Beschlagnahmung endet. Die Tiere müssen oft noch viele Jahre versorgt werden und können nicht einfach zurück in die Natur gebracht werden.
Darum brauchen wir strengere Regeln
Illegaler Handel findet nicht völlig getrennt vom legalen Tierhandel statt. Für Käuferinnen und Käufer ist nicht immer leicht zu erkennen, woher ein Tier tatsächlich stammt und unter welchen Bedingungen es gehandelt wurde. Als Tierschutzorganisation fordern wir deshalb strengere Regeln für den Handel mit Wildtieren. Dazu gehört eine bundesweite Positivliste für Heimtiere. Sie soll festlegen, welche Tierarten überhaupt für die private Haltung geeignet sind und gehalten werden dürfen. Weniger Nachfrage nach exotischen Wildtieren kann auch dazu beitragen, den Handel mit ihnen unattraktiver zu machen.
Denn hinter einem außergewöhnlichen Tier im Terrarium kann eine Geschichte stehen, die man beim Kauf nicht sieht. Sie kann mit einem Fang in der Natur beginnen, über lange Transportwege und Schmuggel führen und für das Tier mit großem Leid verbunden sein.
