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Tierheime
Eine Woche im Tierheimoder was so alles passieren kann
Für einen Einblick in den Alltag der Tierschützer haben wir einige typische Tage in einem deutschen Tierheim zusammengestellt. Mit solchen und ähnlichen Geschehnissen werden die ehrenamtlichen und Berufs-Tierschützer häufig konfrontiert.

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag

Montag



Vorfreude auf den täglichen Auslauf. Mit Klick vergrößern.
© Tierheim Essen.

Bei strahlendem Sonnenschein beginnen wir ausgeruht unsere Runde durch das Tierheim. Zunächst werden die Käfige und Zwinger gereinigt. Die Hunde bellen aufgeregt, sie wollen in den Auslauf. Heute steht ein Tierarztbesuch an. Bei einem Hund wird ein Hüftleiden festgestellt, aber mit regelmäßiger Bewegung und ohne Treppensteigen geht es ohne Operation - Glück gehabt. Zwei Katzen werden kastriert, um die Flut der Jungkätzchen einzudämmen.
 
Uns wird ein kleiner Mops gebracht, gerade acht Wochen alt. Er hatte Glück im Unglück und wurde von spielenden Kindern in einem Erdbeerfeld gefunden. Wir nehmen die Kleine auf und taufen sie Emmi, leider macht sie keinen guten Eindruck. Sie ist sehr matt und stolpert ständig. Wir fahren nochmals zum Tierarzt.
 


Viele Katzen warten in Tierheimen auf neue Besitzer. Mit Klick vergrößern.

Nachmittags öffnet unser Tierheim für Besucher, die Mittagspause ist ausgefallen, bei der Arbeit verging die Zeit wie im Flug. Die ersten neugierigen Besucher schauen sich die Tiere an. Sorgenkind Flocke, eine eigenwillige Terrierdame mittleren Alters, macht wieder ein höllisches Theater im Zwinger - als wäre sie ein gefährlicher Bär. Ohne Gitter ist sie wirklich ein Bär, ein Schmusebär. Leider sieht man ihr das beim wütenden Bellen nicht an. Ein Herr steht unentschlossen bei den Katzen, ich spreche ihn an. „Tja, eigentlich suche ich ein schönes Geschenk für meine Mutter, die ist immer so alleine. Aber ich kann mich nicht entscheiden ob Hund oder Katze." Wie alt denn die Mutter sei und welche Tiere sie möge, frage ich. Das Gespräch kommt nur wenig in Gang, ich schlage dem Herrn vor, mit seiner Mutter vorbei zu schauen - denn als Geschenk gäben wir Tiere nicht ab. Die neue Besitzerin müsse schon persönlich vorbeikommen. Der Herr bedankt sich und geht. „Den sehen wir nie wieder", denke ich.
 

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Dienstag



Wuschelhund. Mit Klick vergrößern.

Heute fange ich etwas später an - und komme gleich in den großen Trubel. Unsere ehrenamtlichen Gassi-Geher sind da und wir Tierpfleger geben dann einzeln die Hunde raus. Nun sind sie etwa eine Stunde unterwegs, das Highlight für unsere Hunde. Am Vormittag kommt ein aufgeregter Anruf aus einem Kindergarten: Ihnen ist ein Hund zugelaufen, der frisst den Kindern die Pausenbrote weg, wir müssten SOFORT kommen. Ich fahre los, vor Ort treffe ich einen wuscheligen kleinen Hund, der sich genüsslich von den Kindern streicheln lässt. Sie erklären mir, sie hätten ihr Pausenbrot mit ihm geteilt, er habe so hungrig geschaut - so unterschiedlich können Meinungen sein. Ich bringe das Tier in der Transportbox zum Tierheim. Leider ist der Hund nicht gekennzeichnet und registriert, so dass wir den Besitzer nicht benachrichtigen können.
 
Meine Kollegin berichtet von Emmi: Der Tierarzt vermutet, dass es ein Tier aus dem illegalen Welpenhandel aus Osteuropa ist. Viel zu früh der Mutter genommen, werden die Welpen aus dem Kofferraum verkauft. Emmi war wohl unverkäuflich und wurde daher wahrscheinlich auf dem Feld sich selbst überlassen. Die Diagnose des Arztes: Emmi braucht schnell eine Augen-OP, sonst wird sie dauerhaft blind.
 


Bussard in einer Voliere im Tierschutzzentrum Weidefeld. Mit Klick vergrößern.

Der weitere Tag verläuft ruhig - bis kurz vor Feierabend, eigentlich ist es schon danach. Ein beleibter Herr steht an der Tür und wedelt wild in der Luft - er möchte noch rein. Na gut, wir sind mal nicht so. Er hat einen Karton dabei, ein Abgabetier denke ich. Der Mann erzählt, er sei Fernfahrer und gegen Nachmittag auf der Autobahn hätte es einmal ordentlich gerumpelt. Auf dem Betriebshof habe er den Vogel im Kühler hängen sehen. Mit dicken Handschuhen wurde das Tier befreit und er würde den Vogel gerne hier abgeben. Ich riskiere einen kurzen Blick: Ein Bussard, ziemlich apathisch. Ich nehme das Tier auf, eine Kollegin fährt es zum Tierarzt, während wir den Formalkram erledigen. Mein Feierabend beginnt spät ...
 

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Mittwoch



Ausgesetzte Meerschweinchen im Karton. Mit Klick vergrößern.
© Tierheim Berlin.

Ich bin nicht ausgeschlafen und der Start in den Tag beginnt mit schlechten Nachrichten: Der Bussard von gestern hat es leider nicht geschafft, er wurde eingeschläfert. Zudem fand meine Kollegin heute Morgen einige Meerschweinchen ausgesetzt in einem Karton vor unserer Tür. So langsam wissen wir nicht mehr wohin mit den ganzen Kleintieren.
 
Nach der Pflege der Tiere habe ich Telefondienst. Da werden kuriose Fragen gestellt. Heute ist es ruhig, nur einige Anrufe, die ich mit guter Beratung davon überzeugen kann, dass Wildtiere in die Natur gehören und deren Eltern am besten für sie sorgen. Wir haben Sommer, es herrscht das übliche „Tierkinder-Einsammeln".
 


Dalmatiner Pongo aus dem Tierheim Berlin hat bereits ein neues Zuhause gefunden. Mit Klick vergrößern.
© Tierheim Berlin.

Meine Gedanken kreisen um den ausgesetzten Findelmops Emmi, da fällt mir eine ehemalige Kollegin ein, die jemanden kannte, der sich auf Augenoperationen spezialisiert hatte. Schnell ist die Nummer gefunden und der Kontakt hergestellt. Ich erzähle ihr die traurige Geschichte von Emmi - kann sie helfen? Sie wird sich erkundigen und meldet sich. Schnell schicke ich der örtlichen Zeitung noch eine Ankündigung für unseren Tag der offenen Tür, das hätte ich vor lauter Sorge um Emmi fast vergessen.
 
Heute läuft es gut mit der Tiervermittlung, wir haben unseren Dalmatiner Pongo in ein liebevolles Zuhause vermitteln können und vier Kaninchen leben jetzt im Kaninchenparadies mit Auslauf.
 

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Donnerstag



Tierheimkatze genießt die Streicheleinheiten. Mit Klick vergrößern.

Wieder ist Gassi-Geher Zeit, die Hunde sind schon ganz aufgeregt. Unsere morgendliche Runde besteht inzwischen aus acht Personen, die regelmäßig mit den Hunden rausgehen und so Abwechselung bringen. Im Büro liegt eine Nachricht für mich: Emmi kann operiert werden. Juchuu, morgen ist schon Termin. Ich nehme mir die Zeit im Katzenhaus nach dem Rechten zu schauen. Minka genießt die Ruhe und holt sich einige Streicheleinheiten ab.
 
Genug gekuschelt, gleich kommt das Fernseh-Team, wir stellen regelmäßig einige Tiere vor, damit ihre Chancen auf Vermittlung steigen. Heute läuft alles prima, die Szenen sind schnell im Kasten. So bleibt Zeit für eine Mittagspause und eine ausführliche Dienstbesprechung. Die Planung des Wochenenddienstes steht an, Nadja fällt kurzfristig aus. Ich sehe mein freies Wochenende dahinschwinden - aber Erik springt ein, zum Glück.
 


Wiedersehenskuscheln. Mit Klick vergrößern.

Gut gelaunt mit der Aussicht auf ein freies Wochenende öffne ich die Tierheimtore für Besucher. Eine Frau kommt und erkundigt sich, ob wir ihren Hund hätten, ihrer wäre weggelaufen und sie habe schon überall gesucht. Sie hat ein Bild dabei, ich erkenne unseren Kindergarten-Wuschel. Nach den Formalitäten kann sie ihr Tier mitnehmen, ich drücke ihr noch Informationen zum Deutschen Haustierregister in die Hand - über diesen Service können kostenlos registrierte Tiere ihrem Besitzer zugeordnet werden. Die Dame ist überglücklich ihren Jerry wieder zu haben und geht direkt zum Tierarzt, sagt sie, und verspricht dann noch, den Hund im Deutschen Haustierregister gleich eintragen zu lassen, das ist kostenlos. Gleich darauf folgt ein Wechselbad der Gefühle: Eine Familie steht ziemlich aufgelöst vor mir, der treue Familienhund muss abgegeben werden. Langsam erfahre ich die ganze Geschichte, der Vater hat eine Arbeitsstelle in der Stadt gefunden und in der kleinen Wohnung ist die Tierhaltung nicht erlaubt.
 

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Freitag



Hundeschule fördert den Gehorsam und bringt Abwechslung. Mit Klick vergrößern. © Tierheim Reutlingen.

Heute kommt die Hundetrainerin, sie hilft uns bei der Erziehung der Hunde, so wollen wir deren Vermittlungschancen steigern.
 
Die Zeit vergeht wie im Flug, da klingelt das Telefon: Der Tierschutzverein aus der Nachbarschaft bittet um Unterstützung. Wie viele Katzen wir aufnehmen könnten? Es gibt eine Beschlagnahmung der Behörde wegen schlechter Tierhaltung, betroffen sind mindestens 30-60 Katzen. Ich schlucke kurz und biete dann zehn Plätze an. Die Beschlagnahmung ist voraussichtlich für nächste Woche geplant. Ich hoffe inständig, dass wir nicht zehn schwangere Katzen bekommen, dann hätten wir ganz schnell 40 Tiere zusätzlich zu versorgen und zu vermitteln. Unserem Finanzchef wachsen eh schon graue Haare, weil er nicht mehr weiß, woher das Geld kommen soll. Aber die Tiere können wir auch nicht einfach im Stich lassen.
 


Mops Emmi nach der gut verlaufenen Augen-OP. Mit Klick vergrößern.

Findelmops Emmi kommt frisch operiert vom Tierarzt zurück - mit Halskrause zum Schutz der Augen. Sie ist zwar noch etwas matt von der Narkose, aber ich glaube, sie wird es schaffen, sie ist eine kleine Kämpferin.
 
Zur Besuchszeit ist der Herr von Montag wieder da, mit seiner Mutter. Ich zeige ihr unser Tierheim. Eigentlich traut sie sich nicht zu, noch ein Tier aufzunehmen „ich weiß ja nicht, wie lange ich noch fit bin." Ich biete Ihr an, dass sie sich bei uns ehrenamtlich als „Katzenstreichlerin" engagieren kann, sie willigt ein. Seit diesem Tag gehört Hilde zu unserem Tierheim-Helfer-Team.
 
Schnell ist meine Woche im Tierheim rum, Montag früh warten die Fellnasen wieder auf mich.
 

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Emmi kann schon wieder Toben und genießt die Streicheleinheiten. Mit Klick vergrößern.

 
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