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Thema Tierheim eröffnen

Phillip fragte am 9. November 2009:

Hallo,
wir haben in der Schule ein Projekt und mich interressiert, ob eigentlich jeder ein Tierheim eröffnen kann und welche Vorraussetzungen er als Betriebsleiter haben muss und was man als Unterstützung bekommt. Wie viel Personal braucht man?
Über eine Rückantwort würde ich mich freuen.
 
Phillip

 
 

Antwort des Deutschen Tierschutzbundes:

Lieber Phillip,
 
herzlichen Dank, dass Du Dich mit Deinem Anliegen an uns wendest.
 
Ein Tierheim wird häufig als Vereins-Einrichtung geführt. Der ehrenamtliche Vorstand dieses Vereins stellt Personen an, die hauptberuflich die Tiere betreuen. Die Anzahl der angestellten Personen richtet sich nach der Aufnahmekapazität des Tierheims und ist nicht allgemein zu beantworten.
 
Um ein Tierheim zu eröffnen, muss neben den Räumlichkeiten, der Finanzierung und der Klärung der Trägerschaft unbedingt die Sachkunde (§ 11 Tierschutzgesetz) im Umgang mit Tieren nachgewiesen werden. Dies kann unterschiedlich erfolgen. Verfügt der Betreffende über eine entsprechende Ausbildung (wie Tierarzt, Tierpfleger), so geht die Behörde in der Regel ohne eine weitere Überprüfung von der Sachkunde aus. Zudem kann langjährige Erfahrung im Umgang mit Tieren nachgewiesen werden. Die Behörde kann von ihrem Recht Gebrauch machen, die vorgegebenen Kenntnisse und Fähigkeiten in einem Fachgespräch zu überprüfen. Die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes bietet beispielsweise solche Sachkunde-Seminare im Rahmen eines einwöchigen Kurses an, der mit einer Prüfung endet.
 
Bei der Aufnahme von Tieren in das Tierheim gibt es zwei Punkte:
1. Die Aufnahme von Fundtieren. Aufgrund gesetzlicher Regelungen übertragen viele Kommunen diese Aufgabe an ein Tierheim und zahlen eine "Aufwandspauschale"  pro Fundtier. Je nach Gemeinde schwanken die Höhe und die Dauer der Förderung. Die Dauer reicht von 28 Tagen bis zu wenigen Monaten - unabhängig davon, ob die Tiere danach tatsächlich schon vermittelt sind oder weiter gepflegt werden müssen.
Nach Untersuchungen des Deutschen Tierschutzbundes sind nur 23% der Ausgaben für die Unterbringung der Fundtiere durch kommunale Zuschüsse gedeckt - mit sinkender Tendenz.
 
2. Die Aufnahme von Abgabetieren durch Privatpersonen. Hierauf besteht kein Rechtsanspruch, Tierheime haben diese Aufgabe zusätzlich übernommen und verlangen in der Regel eine Aufnahmegebühr, um den ersten tierärztlichen Check zu bezahlen. Im Rahmen der Vertragsfreiheit kann das Tierheim die Höhe der Aufnahmegebühr selbst festlegen.
Gerade in den letzten Monaten wurden vermehrt Tiere in den dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheimen abgegeben. Neben den bekannten Gründen kommen vermehrt finanzielle Engpässe hinzu, die Besitzer können beispielsweise hohe Tierarztrechnungen nicht mehr bezahlen.
 
Tierheime sind auf Spendengelder und ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen, um die Kosten tragen zu können. Darüber hinaus hat der Deutsche Tierschutzbund einen "Feuerwehr-Fond" eingerichtet. Hieraus können Mitgliedsvereine Zuschüsse beantragen, beispielsweise bei einer plötzlichen und besonders großen Anzahl aufzunehmender kranker und verwahrloster Tiere aus Animal-Hoarding- Fällen oder um Reparaturen an Heizung, Zwinger oder Dach zu bezahlen. Das Geld aus dem "Feuerwehr-Fond" stammt ebenfalls aus Spenden von Tierfreunden.
 
Ich hoffe, ich konnte Dir einen Einblick in den Betrieb und in die Arbeit eines Tierheims geben und wünsche Dir bei dem Schulprojekt viel Erfolg.
 
 
Mit den besten tierschützerischen Grüßen,
i.A.
 
 
Maja Masanneck
 
Kinder- und Jugendtierschutz
 

 
 

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