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Thema Schächten

Julian schrieb am 18. Januar 2009:

Ich habe keine Frage - ein Anliegen:
Zuerst einmal bin ich 15. Natürlich finde ich Tierschutz gut. Ich bin auch gegen Batteriehaltung, gegen Jagd auf Wale, ...
Mit dem Thema "Schächten" kenne ich mich wahrscheinlich schon besser aus als die meisten. Auch glaube ich, dass es viel Mut braucht, sich entgegen der Meinungen der anderen zu stellen.
 
Ich spreche jetzt von Schafen, da kenne ich mich aus, aber das gilt genauso für andere Tiere: Der Schnitt erfolgt mit einem sehr scharfen Messer durch den Hals und bis zur Wirbelsäule, was zu einem Blutsturz führt, der aufgrund der Blutarmut im Gehirn zur Bewusstlosigkeit führt. Wenn das Tier dann aufwacht, ist es schon verblutet.
 
Jeder Selbstmöder oder Soldat der wiederbelebt bzw. gerettet wurde, kann bestätigen, dass Verbluten total schmerzlos ist. Im Gegensatz zu den üblichen Schlachthöfen, werden die Tiere nicht sofort nach angenommener Betäubung an den Sehnen aufgehängt und dann getötet (was nicht immer funktioniert!). Auch sollte mal zusammen mit dem Thema "Schächten" erwähnt werden, wie die Tiere sonst betäubt werden. Mit Strom, Gas, Bolzenschuss ... Dabei leidet das Tier Schmerzen wie bei einer Hinrichtung von Menschen. Grausam!
Auch finde ich die Leute, die im Supermarkt Hühnchenfleisch aus Batteriehaltung und ähnliches kaufen, sollten sich nicht bei soetwas aufregen (und das sind hunderprozentig die meisten) sondern informieren und zwar richtig.
 
Das war meine Meinung. Natürlich glaube ich nicht, dass ich damit jemanden überzeugt habe, der fest an diese Seite glaubt. Aber immerhin sind wir ein freies Land und jeder ist dazu berechtigt, seine Meinung kundtun!
 
Vielleicht bekomme ich ja auch Antwort...
 
Viele Grüße
Julian

 
 

Antwort des Deutschen Tierschutzbundes:

Dein Beitrag zum Schächten im Jugendtierschutzportal des Deutschen Tierschutzbundes wurde an die Akademie für Tierschutz zur Beantwortung weitergeleitet. Die Akademie für Tierschutz ist die wissenschaftliche Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes. Engagierte Wissenschaftlern aus den Bereichen Biologie, Tiermedizin und Recht setzen sich hier umfassend mit den Tierschutzproblemen unserer Gesellschaft auseinander.
 
Zunächst einmal freuen wir uns über Dein Interesse am Tierschutz und danken Dir für Deine offene Meinung.
 
Das Schächten, also das Schlachten ohne vorherige Betäubung, von Tieren ist seit langer Zeit ein wichtiges Thema für den Deutschen Tierschutzbund. In der Akademie für Tierschutz haben wir uns mit den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Schlachten mit und ohne Betäubung intensiv beschäftigt.
 
Beim religiösen betäubungslosen Schlachten werden dem Tier mit einem scharf geschliffenen Schlachtmesser schnell und in einem Zug die Halsschlagader und auch die Luft- und Speiseröhre und die daneben liegenden Nervenstränge durchtrennt. Das Tier muss sich nach der Schlachtung noch ein wenig bewegen. Die Tiere sterben an den Folgen des Blutverlustes. Befürworter sagen, dass das Tier sofort bewusstlos wird, weil der Blutdruck schnell fällt und das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird.
 
Nach den Studien, die uns vorliegen, werden dem Tier beim Schächten erhebliche Schmerzen zugefügt, denn dem Tier werden die Gewebe und Organe des Halses bis zur Wirbelsäule durchtrennt und die sind sehr schmerzempfindlich. Die dabei erlittenen Schmerzen und die Todesangst führen zu einer verstärkten Atmung, wobei das ausströmende Blut in die Lungen eingeamtet wird. Das führt zu schweren Erstickungsanfällen. Diese Erstickungsanfälle verursachen noch mehr Todesangst.
 
Auch wenn der Schnitt mit einem sehr scharfen Messer durchgeführt wird kommt es immer wieder dazu, dass Blutgerinnsel entstehen und die aufgeschnittenen Adern verstopfen. Damit das Verbluten in so einem Fall nicht behindert wird, müssen die Adern noch einmal aufgeschnitten werden, was dem Tier zusätzliche Schmerzen zufügt.
 
Untersuchungen des Gehirns deuten darauf hin, dass die Tiere nach dem Schächtschnitt nicht sofort bewusstlos sind und auch noch Schmerzen fühlen können: Bei Schafen noch bis eine halbe Minute nach dem Schnitt, bei Rindern sogar mehr als eine Minute lang. Es wurde beobachtet, dass einzelne Kühe noch sechs Minuten (!) nach dem Schnitt versucht haben aufzustehen! Untersuchungen des Gehirns haben auch gezeigt, dass das Bewusstsein eines Tieres nach einer Betäubung mit dem Bolzenschuss oder nach einer so genannten Elektrokurzzeitbetäubung schon nach Bruchteilen einer Sekunde ausgeschaltet wird. Durch eine sorgfältige und gute Betäubung können dem Tier also unerträgliche Schmerzen erspart bleiben.
 
Und bereits die Vorbereitungen zum Schächten sind für die Tiere sehr leidvoll und extrem belastend. Beim Schächten müssen die Tiere – insbesondere die Rinder - mit viel stärkeren Zwangsmaßnahmen ruhig gestellt werden. Denn nur so kann ein exakter Schnitt durchgeführt werden. Beim Rind geschieht das Ruhigstellen zum Beispiel mit einem hydraulischen Apparat (dem so genannten Weinberg´scher Legeapparat). Hierbei werden dem Tier auf drei Seiten Metallplatten angepresst und das Tier anschließend um 180 Grad auf den Rücken gedreht. Kurz vor dem Anlegen des Schnittes ist eine zusätzliche Streckung des Kopfes mit einer Metallgabel erforderlich. Vielfach erleiden die Tiere schon bei der Ruhigstellung für das Schächten schwere Verletzungen bis hin zu Knochenbrüchen. In jedem Fall verursacht die plötzliche unnatürliche Körperdrehung panische Angst und damit erhebliche Leiden.
 
Lieber Julian, zu Recht hast Du darauf hingewiesen, dass es bei der herkömmlichen Schlachtung zu massiven Tierschutzproblemen kommen kann. In der Tat kommt es immer wieder vor, dass Tiere am Schlachtband aufgehängt werden, obwohl sie nicht ausreichend betäubt sind. Grundsätzlich ist das aber verboten. Es gibt eine Reihe genauer Vorschriften, nach denen die Tiere betäubt und anschließend getötet werden müssen. Der Deutsche Tierschutzbund ist der Meinung, dass man diese Vorschriften weiter verbessern muss, damit für den Schutz der Tiere in jedem einzelnen Fall wirklich gesorgt ist. Und dafür kämpft der Deutsche Tierschutzbund auch. Dennoch: Werden die Betäubungsmethoden sehr sorgfältig angewendet, verlieren die Tiere sofort das Bewusstsein und es werden ihnen somit erhebliche Ängste, Schmerzen und Leiden erspart. Ängste, Schmerzen und Leiden, die den Tieren beim Schächten nicht erspart beleiben.
 
Wir hoffen, wir konnten Dich davon überzeugen, wie wichtig für jedes Tier eine Betäubung vor dem Schlachten ist.
 

 
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